Freizeitanspruch

Wie viele Urlaubstage stehen Dir in Deutschland zu?


Wer sich in einem Arbeitsverhältnis befindet, dem stehen in der Regel auch Ausgleichstage, sogenannte Urlaubstage zur Verfügung. Die Grundlage dazu bietet in Deutschland das Bundesurlaubsgesetz, kurz BUrlG. Es beinhaltet die Mindestanforderungen bezüglich des gesetzlichen Anspruchs der Arbeitnehmer auf einen Erholungsurlaub. Neben diesem allgemeingültigen Gesetzestext existieren eine Vielzahl an Einzelabsprachen, die sich in den Tarifverträgen niederschlagen. Sie gelten in den unterschiedlichsten Branchen und werden von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. 

Der Urlaubsanspruch ist in der Regel im Arbeitsvertrag festgelegt oder ergibt sich aus dem entsprechenden Tarifvertrag. Dieser beträgt jährlich mindestens 24 Werktage. Unter Werktagen sind dabei die Tage von Montag bis Samstag (= 6-Tage-Woche) zu verstehen. Arbeitnehmer haben also - ohne eventuelle Feiertage - einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 4 Wochen pro Jahr. 

Betrachtet man die gesetzlichen Urlaubstage weltweit, wird schnell deutlich, dass Deutschland mit seinen 24 gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstagen im internationalen Vergleich zwar nicht schlecht abschneidet, aber auch nicht besonderer Vorreiter ist.

Diagramm Urlaubstage weltweit

Während Frankreich mit 30 Tagen gesetzlichem Urlaubsanspruch weit über den Ansprüchen der meisten anderen Länder in diesem Vergleich liegt, zeigt sich, dass die USA überhaupt keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Erholungsurlaub gewähren. Auch die Länder China und Japan bieten ihren Arbeitnehmern mit Ansprüchen von 5-10 Tagen im Jahr eine geringe Möglichkeit sich von der Arbeit zu erholen. 

Wie sieht es mit zusätzlicher freier Zeit für die Familie aus?


 Neben dem Mutterschutz, der dafür sorgt, dass Schwangere oder frisch gebackene Mütter zu Ihrem Schutz und dem Ihres (ungeborenen) Kindes besondere Rechte haben, besteht in Deutschland seit dem Jahr 2001 auch die sogenannte Elternzeit. Diese bezeichnet den Zeitraum nach der Geburt des Kindes, in dem man von seinem Arbeitgeber unbezahlt freigestellt wird. Als finanziellen Ausgleich erhält man vom Staat, zumindest während der ersten zwölf Lebensmonate des Kindes ein Elterngeld bzw. Elterngeld Plus.  

Die Elternzeit beträgt drei Jahre und steht jeweils Vater und Mutter zu. Sie kann von beiden Elternteilen gemeinsam oder unabhängig voneinander genommen werden. Voraussetzung ist, dass die Eltern ihr Kind selbst erziehen und betreuen und mit ihm in einem gemeinsamen Haushalt leben. 

Damit man auch während der Elternzeit den Kontakt zur Berufswelt aufrechterhalten kann, besteht die Möglichkeit in dieser Zeit zu arbeiten. Dies ist innerhalb eines Umfangs von bis zu 30 Stunden pro Woche möglich. Nach der Elternzeit gelten dann wieder die ursprünglichen Bedingungen mit der vertraglich vereinbarten Stundenzahl. 

Ist die Elternzeit hingegen zu Ende, bleibt häufig nur die Möglichkeit, das Kind entweder in eine KiTa zu geben oder erst einmal aus dem Berufsleben auszusteigen. 

 

Traumjob und gleichzeitig Familie? Wie das geht, zeigt Norwegen!


Dass es auch möglich ist, seinen Traumjob auszuüben und dennoch Zeit für die Familie zu haben, zeigt das skandinavische Land Norwegen. Hier herrscht eine strikte Politik des “No-conference-after-Three“. Was bedeutet, dass nach 15 Uhr keine Konferenzen oder Termine mehr auf der Arbeit stattfinden. Dies reduziert den Stress für berufstätige Frauen und Männer und ermöglicht ihnen frühzeitig nach Hause zu den Kindern gehen zu können, ohne wichtige Entscheidungen in der Firma zu verpassen. 

Auch in der Arbeitsweise der Norweger wird deutlich, dass die Familie einen anderen Stellenwert besitzt, als dies in Deutschland der Fall ist: 

  • Früher Arbeitsbeginn (Vergleiche hierzu Arbeitszeit in Deutschland)
  • Kurze Pausen (keine lange Mittagspause) 
  • Konzentriertes Arbeiten (keine längeren Gespräche an der Kaffeemaschine o.ä.) 
  • Arbeitsende meist 15 Uhr => Mehr Zeit für Familie 

Die familienfreundlicheren Arbeitszeiten gelten als einer der wichtigsten Gründe für die hohe Erwerbsquote der Frauen in Norwegen und die - im Vergleich zu Deutschland - höhere Geburtenrate von 1,88 Kindern pro Frau. 

Sollten soziale Aspekte wie Familie, Freunde oder auch Hilfsbereitschaft in einem alternativen Wirtschaftssystem wieder mehr Gewicht erhalten? Muss Deiner Meinung nach in Deutschland ein Umdenken erfolgen?