Krankenversicherung

Wie kann ein Gesundheitssystem langfristig bestehen?


Gesund in die Rente -  das ist das Ziel vieler Menschen. Schon lange spricht sich die Weltgesundheitsorganisation für eine bessere Gesundheit der Bevölkerung, eine personenorientierte Behandlung und vor allem eine gerechte sowie ausgeglichene Finanzierung aus. Gerade der letzte Aspekt wurde auch in ihrem Bericht des Jahres 2016 verstärkt thematisiert. Ein universeller Zugang zu Gesundheitssystemen kann für Entwicklungsländer nur durch einen starken Zusammenhalt geschaffen werden. Während ein großer Teil der Weltbevölkerung noch ohne jegliche Krankenversicherung lebt, besteht in den Ländern, in denen sich bereits ein Gesundheitssystem etabliert hat, wesentliche Unterschiede im Punkt der Finanzierung und der dafür erhaltenen Leistung. 

Damit wir Dir einen angebrachten Überblick verschaffen können, haben wir uns auf den Teilaspekt der Finanzierung beschränkt. Es stellt sich also die Frage:

Wie finanziert der Rest der Welt ein Gesundheitssystem?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir drei Arten von Gesundheitssystemen unterscheiden: 

Übersicht der Fianzierungsformen eines Gesundheitssystems bzw. einer Krankenversicherung.

Speziell in Deutschland wird gerade das zuletzt aufgeführte Modell nach Beveridge als mögliche Alternative zum bestehenden Sozialversicherungssystem andiskutiert. Damit Du Dir selbst eine Meinung über diese Form eines Gesundheitssystems bilden kannst, wollen wir Dir nun etwas genauer zeigen, wie eine Finanzierung der Krankenversicherung aussehen kann. Dazu werden wir Großbritannien näher unter die Lupe nehmen: 

Der nationale Gesundheitsdienst (NHS - National Health Service) gilt als Regulierungsglied der beiden Ziele „Gleichheit“ und „Effizienz“. 

Die Finanzierung durch Steuern ermöglicht in den Augen der Briten eher die geforderte Gleichheit, als es ein, durch Beiträge gesteuertes System tun würde. Wie oben bereits beschrieben, werden die Bürger einem regional ansässigen Arzt zugeteilt. Eine freie Arztwahl ist somit nicht möglich. Dieser Arzt erhält vom nationalen Gesundheitssystem ein Budget, das er für die Versorgung seiner Patienten aufbrauchen kann. Generell ist die Arzt- und Krankenhausdichte in England wesentlich geringer als in Deutschland. Gerade einmal 2,8 Ärzte stehen 1000 Einwohnern zur Verfügung. Die oben beschriebene Zuzahlung für Medikamente kann in ihrer Höhe begrenzt werden, wenn die Medikamente regelmäßig benötigt werden. Neben der Finanzierung der Krankenversicherung, übernimmt der Staat auch die Finanzierung der Pflegeleistungen. Arbeitgeber die langfristig mit besonders hohen Krankenständen zu kämpfen haben, können außerdem vom Staat auch hier unterstütz werden. Der Arbeitgeber ist nämlich verpflichtet gewisse Geldleistungen im Krankheitsfall zu tragen.  


Problemstellungen: 

Die beschriebene geringe Dichte an Krankenhäusern und Ärzten führt dazu, dass viele Patienten die freiwillige Operation (z.B. eine Hüftoperation) oder Behandlung nicht zeitnah erhalten können. Da Spezialisten bzw. Fachärzte nur in Krankenhäusern tätig sind, ist die Auslastung dieser enorm hoch. Hinzukommt, dass gerade einmal 3 Akutbetten pro 1000 Einwohner zur Verfügung stehen. In Deutschland sind es 8,3 Betten. 

Übersicht zu den Problemstellungen des britischen Gesundheitssystems

Als eine der möglichen Ursachen wird angeführt, dass die Bezahlung des NHS sehr gering ist und dadurch gut qualifizierte Kräfte den Nationalen Gesundheitsdienst nicht als potenziellen Arbeitgeber betrachten. Andererseits sind die Gesundheitsausgaben aufgrund der vergangenen Budgetkürzungen derart niedrig, dass die benötigten finanziellen und personellen Kapazitäten gar nicht erst zur Verfügung stehen können.  

Zwischen 15 und 20 Prozent der Briten sehen sich deshalb gezwungen, zusätzlich eine private Krankenversicherung abzuschließen. Neben der freien Wahl des behandelnden Arztes, sind es vor allem die verkürzten Wartezeiten, die solche Versicherungen attraktiv machen. Wie auch in Deutschland müssen die Patienten für die Leistung eines Arztes direkt in Vorkasse gehen und über ihre private Krankenversicherung sich dieses Geld zurückfordern. Gerade Zahnversicherungen werden oftmals von Briten abgeschlossen oder auch spezielle Policen bei Krebsbehandlungen. Die geringe Anzahl an privaten Krankenversicherungen zeigt jedoch welch ein privilegiertes und kostspieliges Gut eine solche Versicherung darstellt. Für Bürger aus der mittleren bzw. unteren Einkommensschicht ist eine solche Absicherung deshalb vollkommen ausgeschlossen. 

Ist die britische Lösung auch Deine Lösung?

Es ist schwierig in diesem Kontext eine Entscheidung zu fällen. Deshalb nimm Dir die Zeit und lass den Inhalt auf Dich wirken, diskutiere mit anderen und fälle dann erst eine Entscheidung!