Unternehmenssteuern

Steueroasen – existieren sie wirklich?


Durch zahlreiche Negativschlagzeilen sind Unternehmen wie Apple, Google, Starbucks und Co sehr oft als Steueroasen oder auch Steuerparadiese in Verruf geraten. Aktuell macht das Thema erneut Schlagzeilen. Jetzt sind es die „Paradise Papers“ die für Aufsehen sorgen, wobei es letztes Jahr noch die „Panama Papers“ waren. Es schwebt demnach die Vermutung bzw. Anschuldigung im Raum, dass insbesondere US-Amerikanische Unternehmen in Deutschland keine bis sehr wenig Steuern zahlen. Einen empfehlenswerten Artikel zu diesem Thema findest du in der Rubrik Aktuelles.

Nun stellt sich sicherlich jedem die Frage: 

Wie ist das möglich? Wir werden es Euch erklären!

Im Gegensatz zu Privatpersonen, welche sich Steueroasen zunutze machen um - illegal - den hohen Steuersätzen in Deutschland zu entgehen (sprich Steuerhinterziehung betreiben), bewegen sich Unternehmen stets innerhalb geltenden Rechts. In Deutschland zahlen Unternehmen ihre Ertragssteuern bekanntlich auf ihren Gewinn. Der Unternehmenssteuersatz in Deutschland liegt derzeit bei rund 15 %. Nun gibt es allerdings Länder – auch innerhalb der Europäischen Union – die es den Unternehmen möglich machen, ihre Ertragssteuern auf einen sehr geringen Betrag zu minimieren.

Glaubst Du es ist möglich einen sehr großen Teil des Unternehmensgewinns in einem Land anfallen zu lassen, welches keine, bis sehr geringe Steuersätze aufweist? Das folgende Beispiel zeigt die wie das funktioniert:

Lizenzgebühren um Gewinne zu verschieben - Steueroasen

Ein Unternehmen mit Sitz in einem Hochsteuerland wie beispielsweise Deutschland, gründet eine Tochtergesellschaft im niedrig besteuernden Ausland wie beispielsweise Irland (Unternehmenssteuersatz ca. 12,5 %). Das Unternehmen verlagert nun seine Lizenzen z. B. Markenrechte zur Tochtergesellschaft ins Ausland. Diese kann jetzt überteuerte Gebühren für die Nutzung dieser Lizenzen von der Muttergesellschaft verlangen. Folglich steigen die Kosten bei der Muttergesellschaft und reduzieren somit auch den Gewinn – also die Steuerbemessungsgrundlage – im Hochsteuerland. Vereinfacht ausgedrückt fallen die Gewinne statt bei der „Mutter“ jetzt bei der „Tochter“ an, wo sie mit einem geringen Unternehmenssteuersatz versteuert werden müssen. (In Irland beispielsweise ist es einigen Unternehmen gelungen ermäßigte Steuersätze auszuhandeln. Diese gingen hinunter bis 2,5 %. Für diese Sonderkonditionen stand das Land unter Kritik.)

Das stellt eine von vielen sehr komplexen und vor allem unternehmensindividuellen Möglichkeiten dar, Steuern zu vermeiden. Oder anders ausgedrückt (Unternehmenssicht) zu optimieren. Die Tatsache, dass von diesen sog. Steuersparmodellen einzig die Unternehmen profitieren, verärgert viele Menschen, die sich in diesem System hintergangen und ausgenutzt fühlen.

Hältst Du solche Konstrukte für moralisch vertretbar?

Aber nicht nur die OECD, sondern auch die Europäische Union haben sich den Problemen mit Steueroasen angenommen. Diese hat ein paar sinnvolle Vorschläge gemacht, wie man dessen Nutzung durch solche Strukturen beseitigen kann und ein alternatives Wirtschaftssystem vorgestellt:

 

GKKB – die Lösung?


Die Gemeinsam konsolidierte Körperschaftssteuer Bemessungsgrundlage!

Die GKKB ist in Anlehnung an das System der Unitary Taxation, welches vermehrt in den USA zur Anwendung kommt, entstanden. Derzeit ist im europäischen Raum die Besteuerung von multinationalen Unternehmen in den jeweiligen Sitzstaaten strikt national getrennt, so als handele es sich um unabhängige Unternehmen. Die Unternehmen sind also innerhalb der EU mit 28 – zukünftig 27 – Steuersystemen konfrontiert.

Um diese Situation nicht nur für die Finanzbehörden, sondern auch für die Unternehmen zu verbessern sind bei der Einführung einer GKKB folgende 3 Schritte nötig:

Schritte zur GKKB - Steueroasen

In einem ersten Schritt sollen alle multinationalen Unternehmen ihre Reglungen zur Gewinnermittlung harmonisieren und über die Landesgrenzen hinaus als ein Gesamtkonzern fungieren. Das stellt die GKB – Gemeinsame Körperschaftssteuer Bemessungsgrundlage – dar. Zudem ist es Notwendig eine länderübergreifende Berichtserstattung einzurichten, welche diverse Daten zu den Aktivitäten der Tochterunternehmen und weitere Angaben, wie beispielsweise Lohnsummen, Vermögenswerte und die Umsätze in den Staaten in denen sie Tätig sind, enthalten muss.


Anschließend werden in einem zweiten Schritt alle Tochterunternehmen zum Gesamtkonzern konsolidiert. Es entsteht die GKKB. Damit werden bereits einige Möglichkeiten zur Gewinnverschiebung nichtig, so auch die oben ausgeführte Methode der Steuervermeidung durch überhöhte Lizenzgebühren.


Zuletzt wird die GKKB anhand der realwirtschaftlichen Faktoren, wie z. B. der anteiligen Wirtschaftsgüter, Umsätzen und Lohnkosten auf die Konzerneinheiten verteilt. Der resultierte steuerpflichtige Gewinn kann jetzt in den Mitgliedsstaaten zum entsprechenden Steuersatz besteuert werden. 

Die beschriebenen Möglichkeiten der Steuervermeidung sind zwar bereits ab der Anwendung von Schritt zwei ausgehebelt, jedoch wird mit Schritt drei erst für die gerechte Zuordnung der Steuersubstratsteile gesorgt. Da die Steuerlast dann nach realwirtschaftlichen Faktoren auf die entsprechenden Konzerneinheiten verteilt wird, kommt jedem Land ein gerechter Teil des Steuersubstrates zu.

Was siegt bei Dir – die Moral oder der Gewinnmaximierungsgedanke?